Der Fotograf Hyp Yerlikaya hat gemeinsam mit der Beratungsstelle Amalie (Diakonisches Werk Mannheim) Frauen aus der Prostitution über zwei Jahre mit der Kamera begleitet. Die Ausstellung „gesichtslos“ zeigt in insgesamt 40 Bildern und begleitenden Texten die Geschichte dieser Frauen – ihre Ängste und Sorgen, aber auch ihre Träume und Hoffnungen.
Dieses Frühjahr war die Ausstellung dank einer Kooperation der Katholische Akademie Rabanus Maurus und der Frankfurter Ortsgruppe von SISTERS für fast zwei Monate erstmalig in Frankfurt zu sehen.
Ein Highlight war die Vernissage im Haus am Dom. Im Beisein zahlreicher Gäste eröffneten Dr. Yvonne Zelter von der Katholischen Akademie und die ehrenamtliche Stadträtin Anna Grundel (Grüne) mit einem Grußwort die Ausstellung. Die Leiterin der Beratungsstelle Amalie, Astrid Fehrenbach, berichtete von der Entstehung von „gesichtslos“: Die proträtierten Frauen wurden in allen Phasen des Projektes einbezogen und so selbst zu den Gestalterinnen der Ausstellung. Amrei Schommers von der SISTERS Ortsgruppe Frankfurt setzte sich in ihrer Rede „Am Ende der Treppe“ mit dem gesellschaftlichen und politischen Umgang mit Prostitution auseinander. Die Rede ist auch Beitrag zum Projekt „Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ und war für die Jury so überzeugend, dass sie für eine Buchveröffentlichung ausgewählt wurde.
Weitere Programmbeiträge waren thematische Führungen durch die Ausstellung und durch das Bahnhofsviertel, die den Besucher/innen die Lebensrealität von Frauen in der Prostitution näherbrachten. Im Beisein des Regisseurs Matthias Gathof und der Sozialwissenschaftlerin Manuela Schon wurde der Film „Aufbruch – Prostitution überwinden“ gezeigt, der das Publikum sichtlich bewegte. In einer Online-Veranstaltung mit Expert/innen verschiedener Hintergründe, wurde das Nordische Modell als Alternative zur aktuellen Gesetzgebung umfassend diskutiert. Zum Internationalen Frauentag fanden sich zahlreiche Frauen im Haus am Dom ein, um an einem solidarischen Kleidertausch teilzunehmen.
Die SISTERS Ortsgruppe zieht eine positive Bilanz: „Die Ausstellung und das Begleitprogramm waren sehr gut besucht, was zeigt, dass das Interesse der Bevölkerung an der Thematik groß ist. Wir freuen uns, wenn wir einen Beitrag dazu leisten konnten, Prostitution stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu holen und einen Diskurs dazu anzustoßen.“
Es gab vereinzelt auch Gegenwind zur Ausstellung. Amrei Schommers vom Kuratorinnen-Team der Frankfurter Ausstellung sieht das gelassen. „Die Ausstellung gibt Frauen aus der Prostitution eine Stimme. Insofern kann ich die Forderung „gesichtslos“ nicht zu zeigen, gerade auch von Seiten derer, die vorgeben, die Rechte von Prostituierten zu vertreten, nicht nachvollziehen. Jede/r darf natürlich seine Meinung frei äußern, ich glaube aber auch, wir dürfen den Bürgerinnen und Bürgern zutrauen, sich ein eigenes Bild zu machen. Die große Resonanz auf die Ausstellung spricht hier für sich.“
Kontakt für Rückfragen: ortsgruppe-frankfurt-rheinmain@sisters-ev.de



