PRESSEERKLÄRUNG„Kulturgeschichte ohne Realität?“ – SISTERS e.V. kritisiert geplante Ausstellung zur „Sexarbeit“ in der Bundeskunsthalle Bonn
Stuttgart/Bonn, 31.03.2026
Der Verein SISTERS e.V. übt Kritik an der geplanten Ausstellung „SEX WORK – Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit“ in der Bundeskunsthalle Bonn.
SISTERS begleitet seit vielen Jahren Frauen beim Ausstieg aus der Prostitution. Die Erfahrungen aus dieser Praxis zeigen, dass die Lebensrealität vieler Frauen in der öffentlichen Darstellung häufig unzureichend berücksichtigt wird.
„Aus unserer Arbeit wissen wir, dass die große Mehrheit der Frauen in der Prostitution unter prekären Bedingungen lebt – oft geprägt von Armut, Migration und fehlenden Alternativen“, sagt Karen Ehlers von SISTERS e.V. „Gerade diese Realität muss sichtbar werden, wenn eine Ausstellung den Anspruch erhebt, ein umfassendes Bild zu zeigen.“
Der Verein weist darauf hin, dass insbesondere migrantische Frauen in Armutsprostitution den größten Teil der Betroffenen ausmachen, ihre Perspektiven jedoch in gesellschaftlichen Debatten häufig kaum Gehör finden.
„Viele dieser Frauen verfügen über geringe Sprachkenntnisse, sind wirtschaftlich unter Druck oder in Abhängigkeiten eingebunden. Das erschwert nicht nur ihren Alltag, sondern auch ihre Möglichkeit, ihre eigene Perspektive überhaupt einzubringen“, so Ehlers.
Kritisch sieht SISTERS das kuratorische Prinzip „Nichts über uns ohne uns“, wenn dabei vor allem Stimmen berücksichtigt werden, die ihre Situation als selbstbestimmt beschreiben.
„Für eine differenzierte Darstellung ist es entscheidend, auch die Erfahrungen von Aussteigerinnen einzubeziehen – insbesondere von Frauen, die unter prekären Bedingungen in der Prostitution waren. Nur so entsteht ein realistisches Gesamtbild“, betont Ehlers.
Nach Einschätzung des Vereins wird Prostitution in vielen Fällen nicht aus freier Entscheidung aufgenommen, sondern unter dem Einfluss struktureller Faktoren wie Armut, Migration, sozialer Ungleichheit und Gewalt.
Auch der Ausstieg gestaltet sich für viele Frauen schwierig, da grundlegende Voraussetzungen fehlen – etwa gesicherter Wohnraum, eine Meldeadresse oder Zugang zu medizinischer Versorgung.
„Eine öffentlich geförderte Kulturinstitution trägt Verantwortung für die Einordnung solcher Themen“, so Ehlers. „Dazu gehört, die unterschiedlichen Lebensrealitäten nicht nur anzudeuten, sondern in ihrer Bedeutung klar sichtbar zu machen.“
SISTERS e.V. regt daher an, die Ausstellung um Perspektiven zu ergänzen, die die strukturellen Bedingungen, die Rolle der Nachfrage sowie die Herausforderungen beim Ausstieg stärker in den Mittelpunkt rücken.
Der Verein bietet den Verantwortlichen der Bundeskunsthalle einen fachlichen Austausch an und plädiert dafür, insbesondere die Stimmen von Aussteigerinnen stärker einzubeziehen.
Pressekontakt:
Karen Ehlers
mail@sisters-ev.de


